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Dienstag, Januar 16, 2007

Kritik: Prestige

USA, FSK 12, 130 Minuten

Genre: Historien-Thriller-Drama
Start: 4. Januar 2007

Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan, Jonathan Nolan
Darsteller: Hugh Jackman, Christian Bale, Sir Michael Caine, Scarlett Johansson, Ruth Hall, Piper Perabo, David Bowie, Andy Serkis


Gleich zu Jahresbeginn steht mit "Prestige" ein echtes Großereignis an. Einer der meist erwarteten Filme 2007. Einer, bei dem sich alles, was sich unterhalb des Status' "kleines Meisterwerk" bewegt, schon fast als Enttäuschung durchgehen muss. Nun, ein Meisterwerk ist "Prestige" nicht geworden, auch kein kleines. Auch die eine oder andere Enttäuschung gilt es hinzunehmen. Doch trotzdem: Der großartige Christopher Nolan untermauert auch hiermit seinen Ruf als Wunderkind.

Robert Angier (Hugh Jackman) und Alfred Borden (Christian Bale) sind bekannte Zauberer in einem London, das sich mit Riesenschritten aufs 20. Jahrhundert zu bewegt. Ein tödliches Unglück macht aus ehemaligen Freunden erbitterte Feinde, die sich nun mit nahezu allen Mitteln bekämpfen. Borden stellt sein gesamtes Leben in den Dienst der Magie und ist auf der Suche nach dem perfekten Trick. Als er ihn findet, ist Angier wie besessen davon, hinter das Geheimnis des Zaubertricks zu kommen. Sie spionieren sich gegenseitig aus und schon bald ist ihnen jedes Mittel recht, dem anderen einen Denkzettel zu verpassen. Dass dies irgendwann in einer Katastrophe endet, scheint unabwendbar...

Christopher Nolan ist ein Name, von dem jeder schon einmal etwas gehört oder gelesen haben sollte, der sich auch nur annähernd für die gehobene Filmkunst interessiert. Sein Debüt "Following" (1998), das es erst 2005 in unsere Kinos geschafft hat, begeisterte trotz bescheidenster Mittel mit einer cleveren, durchdachten Handlung. Mit "Memento", seinem zweiten Werk also, schuf Nolan einen innovativen Film, dem - da ist sich die Film-Fan-Gemeinde einig - der Aufdruck "Meisterwerk des neuen Jahrtausends" gebührt. Mit Film Nummer 3 - "Insomnia" - verschlug es ihn sogleich nach Hollywood, wo er weiter für Aufsehen sorgte. Mit "Batman Begins" schließlich gelang ihm vor zwei Jahren ein starkes und gefeiertes Flattermann-Comeback, dem demnächst eine Fortsetzung (ebenfalls unter seiner Regie) folgen wird.

Was er in "Following" andeutete, in "Memento" auf die Spitze trieb und selbst in "Batman Begins" zum Einsatz kommen ließ, darf natürlich auch in "Prestige" nicht fehlen: die nicht chronologische Erzählweise. Auch wenn ihr Einsatz dieses Mal durch die Thematik des Films nicht direkt gerechtfertigt ist, verkommt sie nicht wie in zahlreichen anderen Filmen zum bloßen Selbstzweck, sondern ist quasi nötig, um die Geschichte so zu erzählen, wie Nolan es hier tut. Der Anspruch ist somit auf einem angenehmen Level. Um der Handlung folgen zu können, ist Konzentration erforderlich; das Denken bereitet jedoch keine Kopfschmerzen. Wer zu viel denkt, ist sowieso im Nachteil (dazu gleich mehr). Auch wenn "Prestige" somit deutlich massentauglicher ist, als Nolans frühere Werke, bleibt ihm der Erfolg in Deutschland, zumindest im Hinblick auf die Kino-Charts, verwehrt. Kein Sprung in die Top10, dies aber immerhin mit mehr als 70 000 Besuchern in der ersten Woche.

Im Grunde ist "Prestige" fast ohne Schwachpunkt. Die Story wird phantasievoll erzählt, die Regie ist souverän, die Charaktere und Dialoge besitzen Tiefe und an Überraschungen und Wendungen mangelt es dem Film nicht. In Letzterem steckt jedoch auch der einzige richtig große Haken: Die beiden großen Plot-Wendungen am Schluss lassen sich bereits weit im Voraus erahnen (deshalb vielleicht nicht zu viel denken...). Doch zumindest einer der beiden Punkte enthält nur die halbe Wahrheit, so dass das Ende doch noch ein wenig überraschend daher kommt. Normalerweise würde diese Vorhersehbarkeit einen Film weit nach unten ziehen, doch bei "Prestige" liegt der Fall etwas anders. Man darf die Erwartungen an den Film nicht auf ein überraschendes Ende reduzieren, wie man es von Nolan bisher gewohnt ist. Es ist eher eine Art Zugabe auf das, was man sich im Filmverlauf eh schon erarbeitet hat, denn im Kern ist "Prestige" ein trotz seiner Komplexität in sich schlüssiges Drama, das von der Besessenheit seiner Charaktere und deren fatalen Folgen erzählt. Nolans Filme waren immer zum Teil Thriller, zum Teil Drama. Hier überwiegt erstmals Letzteres.

Dass sein Drama so gut funktioniert, ist zu großen Teilen dem stark aufspielenden Darsteller-Cast zu verdanken. Bale hat sich mit Filmen wie "The Machinist", "American Psycho" oder eben "Batman Begins" bereits einen Namen gemacht, Jackman ist nach seinen Kaugummi-Rollen vergangener Zeiten nun dabei - siehe "Scoop" oder "The Fountain". Beide spielen ihre Rollen durch und durch glaubwürdig. Hinzu kommen Namen wie Scarlett Johansson (ebenfalls ganz groß im Rennen) als Zauber-Assistentin Olivia, die einerseits als Blickfang und andererseits einer gewissen Funktion innerhalb des Plots dient, und Sir Michael Cane als alter Zauber-Hase. Beide spielen ebenso überzeugend wie die in weiteren Rollen vertretenen Piper Perabo, Ruth Hall, David Bowie und Andy Serkis.

Weil alle so fixiert auf die Schlusspointe waren, hat keiner mitbekommen, dass Shyamalan mit "The Village" eigentlich ein toll bebildertes Drama geschaffen hat. Ein ähnliches Schicksal droht Nolans "Prestige". Hätte er darauf verzichtet, die Auflösung zentraler Handlungspunkte bis zum Schluss hinauszuzögern, wo eh schon jeder weiß, was Sache ist, wäre aus seinem Film sicherlich ein besserer geworden. Schade, dass man den Kinosaal somit mit einem leicht enttäuschten Gefühl verlässt, obwohl man eigentlich einen ziemlich guten Film gesehen hat. So ist Nolans fünfter Film also der fünfte bemerkenswerte Eintag in seine Filmographie. Die "Begins"-Fortsetzung "The Dark Knight" darf kommen.

Note: 2


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3 Comments:

  • At 22 Januar, 2007 20:21, Anonymous www.jeichi.com said…

    freut mich, dass dir der film auch gefallen hat. zeigt, dass wir annähernd den gleichen filmgeschmack haben ...?!

    als nächsten streifen werde ich mir wahrscheinlich saw 3 vornehmen. und die vorfreude auf rocky 6 ist auch schon gegeben.

     
  • At 22 Januar, 2007 23:34, Blogger René said…

    Sofern du mir nicht erzählst, dass "Garfield" dein Lieblingsfilm ist, kann ich das mit dem annähernd gleichen Filmgeschmack unterstreichen. ;-)

    Wenn ich mit deinen Punkten vergleiche, ist es meistens so, dass wir selten exakt übereinstimmen, aber unsere Meinungen auch sehr selten komplett auseinander gehen.

     
  • At 23 Januar, 2007 08:33, Anonymous www.jeichi.com said…

    wie konntest du das mit 'garfield' erraten?

     

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