The Moviepage

Film-Blog - eingestellt

Sonntag, Januar 28, 2007

Kürzlich gesehen (22.-28.1.07)


Die Aufschneider: ausführliche Kritik auf Filmszene

In eigener Sache

Ich werde dieses Blog bis auf Weiteres erst einmal größtenteils auf Eis legen. Durch meine kürzlich begonnene Mitarbeit bei Filmszene und die auch schon etwas länger andauernde regelmäßige Mitarbeit bei Lost-Fans fällt es mir schwer, mich nun dafür zu motivieren, einen relativ großen Aufwand für eine Anzahl von Lesern zu betreiben, die sich an zwei Händen ablesen lässt.

Ich möchte nicht ganz ausschließen, hier gelegentlich noch größere Beiträge zu veröffentlichen, aber selbst dann wird es sich wohl lediglich um Ausnahmen handeln.

Der "Betrieb" soll sich nun auf Folgendes reduzieren:
- Charts u. Neustarts
- Kurzkommentare zu kürzlich gesehenen Kinofilmen

Freitag, Januar 26, 2007

Auswertung: Bester u. schlechtester Film 2006

Ihr habt entschieden: Walk the Line hat sich die Hälfte der 16 Stimmen geschnappt (hey, im Vorjahr waren es noch 23) und gilt somit nun - ganz offiziell - als bester Film des vergangenen Jahres. Auf den weiteren Plätzen folgen Lord of War mit vier sowie Departed: Unter Feinden und Deutschland. Ein Sommermärchen mit je zwei Stimmen. Auf Borat und The Weather Man sind keine Stimmen entfallen.

Zur Gurke des Jahres wurde mit knappem Vorsprung Basic Instinct 2 gewählt (3 Stimmen), vor Date Movie und Open Water 2 mit jeweils zwei Stimmen.

Ich persönlich habe keinen der beiden Gewinner-Filme gesehen und zumindest in einem Fall bedauere ich das. ;-)

Donnerstag, Januar 25, 2007

Neustarts vom 25. Januar 2007

Für das breite Publikum ragen an diesem Donnerstag drei Filme besonders hervor. Luc Besson möchte es den großen Animations-Studios in Hollywood mit seinem Arthur und die Minimoys (Frankreich, FSK 6, 97 Minuten) zeigen, die kürzlich für den Oscar nominierten Leonardo DiCaprio und Djimon Hounsou machen Jagd auf den Blood Diamond (USA, FSK 16, 143 Minuten) und Til Schweiger ist verwickelt in ein Netz aus Lügen, Verrat und Vergewaltigung: One Way (Deutschland/Kanada, FSK 16, 116 Minuten).

Abgesehen von diesen drei Großprojekten hinterlässt ein weiteres Trio, sicherlich nicht unbedingt geeignet für den breiten Massengeschmack, einen interessanten Eindruck: Enron (USA, FSK 0, 108 Minuten) gilt als brillante Wirtschafts-Dokumentation, die Wissen auch für den Laien verständlich vermittelt, Idiocracy (USA, FSK 12, 84 Minuten) von "Beavis & Butthead"-Schöpfer Mike Judge erzählt von einem Durchschnitts-Amerikaner in der fernen Zukunft, der sich dort als intelligentester Mensch auf Erden erweist, und in Paris, je t'aime (Frankreich, FSK 6, 120 Minuten) erklären 18 Regisseure in ebenso vielen Episoden der Hauptstadt Frankreichs ihre Liebe.

Mittwoch, Januar 24, 2007

Kino-Charts vom 24. Januar 2007

  1. Das Streben nach Glück
  2. Nachts im Museum
  3. Rache ist sexy
  4. Mein Führer
  5. Schwere Jungs
  6. Déjà Vu
  7. Liebe braucht keine Ferien
  8. Casino Royale
  9. Schweinchen Wilbur und seine Freunde
  10. Babel

Nach vier Wochen haben wir mit "Das Streben nach Glück" mal wieder eine neue Nummer 1. Weitere Neueinsteiger schaffen es auf Platz 3 ("Rache ist sexy") und 5 ("Schwere Jungs"). "Babel" hält sich richtig gut und bleibt auch in der fünften Woche unter den besten 10.

US-Top3: "Stomp the Yard" / "Nachts im Museum" / "Dreamgirls"

Montag, Januar 22, 2007

Kritik: Flags of Our Fathers

USA, FSK 12, 131 Minuten

Genre: Kriegs-Drama
Start: 18. Januar 2007

Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Paul Haggis, William Broyles jr.
Darsteller: Ryan Phillippe, Jesse Bradford, Adam Beach, John Benjamin Hickey, John Slattery, Barry Pepper, Jamie Bell, Paul Walker, Robert Patrick, Neal McDonough


Die Schlacht um die japanische Insel Iwo Jima gilt als eine der bedeutendsten des Zweiten Weltkrieges. 7 000 von 100 000 angreifenden amerikanischen Soldaten fanden den Tod, ebenso wie nahezu alle verteidigenden japanischen - etwa 20 000. Clint Eastwood, der den Stoff im Auftrag von Steven Spielberg inszenierte, hat sich gegen Ende der Dreharbeiten dazu entschlossen, einen weiteren Film folgen zu lassen, der die Sicht der Japaner zeigen wird. Dieser Film - "Letters From Iwo Jima" - startet in Deutschland am 22. Februar.

Nach knapp dreitägigem Bombardement landen am 19. Februar 1945 US-Marines (30 000 Mann) auf Iwo Jima und erleben eine böse Überraschung. Die Japaner, kaum sichtbar in Schützengräben und unterirdischen Anlagen versteckt, fügen den Amerikanern zunächst schwere Verluste zu, auch wenn die Schlacht 35 Tage später zu Gunsten der angreifenden Mächte entschieden ist. Im Verlauf dieser Schlacht entsteht eines der berühmtesten Bilder des 20. Jahrhunderts - sechs junge amerikanische Soldaten hissen auf dem Vulkan Suribachi die US-Flagge. Das Foto geht um die Welt und schafft es natürlich auch in die heimischen Zeitschriften. Die Regierung sieht darin eine nahezu einmalige Chance, den Kriegsapparat - so gut wie pleite - wieder auf Vordermann zu bringen. Die drei noch lebenden Hisser John Bradley (Ryan Phillippe), Rene Gagnon (Jesse Bradford) und Ira Hayes (Adam Beach) werden in die Heimat beordert und fortan als Helden verehrt. Doch natürlich ist nicht die Ehrung der drei jungen Männer der primäre Grund für ihre Heimkehr - stattdessen "dürfen" sie mit ihrer Geschichte auf Werbetour gehen und die Menschen dazu bewegen, Kriegs-Anleihen zu kaufen.

Clint Eastwood hat einen großen Fehler begangen, der einem potentiell wirklich starken Film im Weg steht: Er erzählt die Geschichte nicht chronologisch, sondern zweigeteilt. Im Grunde sind es sogar drei Teile. Immer wieder wechselt er zwischen der Action-lastigen Schlacht auf Iwo Jima und der Werbetour hin und her und steht sich damit praktisch selbst im Weg. Auch wenn sich die Thematik gleicht (junge Männer an einem Ort, an dem sie eigentlich nicht sein möchten), verhindert diese Vorgehensweise, dass man tiefer zu den Figuren vordringt. Die Kriegsszenerie macht nur Sinn, wenn diese bedrohliche Stimmung konstant aufrecht erhalten wird - der andere Schauplatz ist somit Gift. Dies gilt genau so auch andersherum. Kaum hat man sich wieder einigermaßen orientiert und ist richtig "drin", geht's auch schon wieder ein paar Wochen in die Vergangenheit oder Zukunft. Eine chronologische Erzählweise hätte aus "Flags of Our Fathers" kein Meisterwerk gemacht, aber zumindest einen besseren Film.

Denn was möglich gewesen wäre, zeigt sich immer dann, wenn Eastwood wirklich mal länger an einem Ort verweilt. Vor allem die Szenen der ersten Landung der US-Truppen erzeugen eine ungeheure Intensität, bei der man sich gelegentlich nicht wirklich wohl fühlt. Natürlich werden Erinnerungen an Spielbergs berühmt-geniale Eröffnungssequenz aus "Der Soldat James Ryan" wach, doch Eastwood hat hier seinen eigenen Stil gefunden. Schritt für Schritt baut er ein unbehagliches Gefühl auf. Zunächst schieben die Japaner aus ihren sicheren Verstecken die Waffen hervor, um dann als unsichtbarer Feind mit einem Mal die Hölle über die Amerikaner hereinbrechen zu lassen. Eastwood findet immer wieder ein neues Bild, meist mit Handkameras gedreht. Die Schlacht ist unglaublich aufwändig gestaltet und das Budget von mehr als 50 Millionen US-Dollar zu jeder Sekunde sichtbar.

Einige Wochen nach Entstehung des Fotos kämpfen drei Männer an einer anderen Front. Von hohen Tieren ihres Heimatlandes werden sie wie Puppen herumgereicht, als wahre Helden präsentiert, deren Geschichte die Menschen dazu animieren soll, ihr Geld in den Fortlauf des Krieges zu investieren. Ob mit Plakaten an der Straßenecke oder in Baseball-Stadien, ob mit Nachbildungen in Stein oder in Gestalt von Desserts - überall werden John, Rene und Ira von diesem Bild verfolgt. Den Höhepunkt erreicht diese unwürdige Tour in einem makaberen Prozedere, in dem die drei Kriegshelden den Aufstieg auf den Vulkan und das Hissen der Flagge nachstellen sollen. Kriegshelden - vor allem Ira, "Häuptling genannt, weil er aus einem Indianer-Stamm kommt, will das eigentlich gar nicht sein und geht an diesem bizarren Schauspiel mit jedem weiteren Tag zu Grunde.

Besonders dieser Charakter hätte ruhig viel stärker ins Detail gehen dürfen, stattdessen erfahren (besser: merken) wir kaum mehr, als dass die Situation den dreien recht unangenehm ist. Nicht nur hier vergibt Eastwood eine große Chance, sondern vor allem eben auch durch die Entscheidung, zwischen beiden Ebene hin und her zu springen. Die Intensität des einen und die Tragik des anderen kommt so kaum zum Tragen. Auch darüber, ob eine dritte, in der Gegenwart spielende Ebene unbedingt nötig gewesen ist, lässt sich streiten. Doch immerhin scheint Eastwood diese dazu zu gebrauchen, seine persönliche Meinung zum Thema Heldentum zum Ausdruck zu bringen.

Da diese Rezension von einem großen Fehler handelt, sollte auch ein zweiter Fehlgriff kurz zur Ansprache kommen: Von der FSK wurde "Flags of Our Fathers" ab 12 freigegeben. Auf die Begründung, inwiefern ein Film, der mit dem Bild frei liegender Gedärme eines noch lebenden Soldaten beginnt, für zwölfjährige Kinder geeignet sein soll, wäre ich wirklich mehr als gespannt. Die Genre-üblichen Kopfschüsse, abgetrennten Gliedmaßen und später schließlich auch noch Soldaten, die das Innere außen tragen, folgen natürlich auch noch. Eine unglaubliche Einschätzung der FSK, die nichts anderes als Kopfschütteln hervorruft. Dass es Eastwood jedoch nicht in erster Linie darum geht, den Zuschauer mit ausufernder Brutalität zu schocken, zeigt sich darin, dass er den Anblick eines Soldaten, welcher als furchtbar beschrieben wird, schlicht verweigert und stattdessen nur die Reaktion eines Soldaten auf diesen zeigt.

Bei der Presse kommt "Letters From Iwo Jima" im Schnitt besser weg als "Flags of Our Fathers", womit das Interesse also vor allem dem Film gelten sollte, der in einem Monat folgt. "Flags" hat einige starke Momente, kommt aber im Großen und Ganzen über gute Ansätze nicht hinweg. Eastwood steht sich mit seiner Erzählform leider selbst im Weg und wird in diesem Jahr auf einen weiteren Regie-Oscar wohl verzichten müssen.

Note: 3+


Aktuelle Kritiken

The Fountain (18.01.07)
Wer Feuer sät... (18.01.07)
Der Fluch der Betsy Bell (11.01.07)
Prestige (04.01.07)
Der weiße Planet (28.12.06)
Déjà Vu (27.12.06)
Die Rotkäppchen-Verschwörung (27.12.06)
Babel (21.12.06)
Departed: Unter Feinden (07.12.06)
Casino Royale (23.11.06)

Samstag, Januar 20, 2007

Im Kreuzfeuer der Kritik (2)

Die bisherigen Kritiken zu Arthur und die Minimoys, dem Animations-Projekt von Luc Besson, reichen von mau bis unterhaltsam.
Start: 25. Januar 2007

Das wilde Leben, das die Geschichte der Uschi Obermaier erzählt, erhält erste gute bis durchschnittliche Kritiken.
Start: 1. Februar 2007

Der Ton zum Globe-Gewinner Dreamgirls ist hierzulande mittlerweile einstimmig: nett, aber kein bisschen mehr.
Start: 1. Februar 2007

Einige sehen darin den Tiefpunkt der Reihe, andere eine (weitere) würdige Fortsetzung: Bei Saw 3 werden sich die Kritiker nicht ganz einig.
Start: 1. Februar 2007

Während "Cinema" einen Daumen gibt, der 90 Grad nach unten gesenkt ist, sind sich die Online-Redakteure absolut einig: Rocky Balboa ist ein beeindruckendes, unerwartet starkes Comeback.
Start: 8. Februar 2007

Glaubt man den Meinungen der Kritiker, scheint mit Clint Eastwoods Letters From Iwo Jima nicht weniger als ein Meisterwerk anzustehen.
Start: 22. Februar 2007

Was soll man dazu noch sagen... Der Fantasy-Streifen Pan's Labyrinth rast von einer überragenden Bewertung zur Nächsten.
Start: 22. Februar 2007

Freitag, Januar 19, 2007

Die Filme 2006 - Finale

Im Vergleich zu den ersten drei Gruppen ging es dieses Mal deutlich "spannender" zu. Am Ende haben sich "Borat" mit vier Stimmen ("Kaltes Land": 2 / "Stay": 2), "The Weather Man" mit vier Stimmen ("Casino Royale": 3 / "München": 2) und "Lord of War" mit fünf Stimmen ("Das Leben der Anderen": 2 / "Jarhead": 2) durchgesetzt.


Votet nun abschließend für den besten Film 2006 sowie die Gurke des vergangenen Jahres (bei Letzterem dürft/sollt ihr auch auf Verdacht abstimmen):

Das Finale
Welcher dieser Filme aus 2006 war der Beste?
Borat
Departed: Unter Feinden
Deutschland. Ein Sommermärchen
Lord of War
The Weather Man
Walk the Line


Die Gurke des Jahres 2006
Welcher dieser Filme aus 2006 war der Schlechteste?
Basic Instinct 2
Date Movie
Der Pakt
Get Rich Or Die Tryin'
Open Water 2
The Fog



Die Wahl läuft bis Donnerstag, den 25. Januar.

Donnerstag, Januar 18, 2007

Kritik: Wer Feuer sät...

USA, FSK 12, 101 Minuten

Genre: Polit-Drama
Start: 18. Januar 2007

Regie: Phillip Noyce
Drehbuch: Shawn Slovo
Darsteller: Derek Luke, Tim Robbins, Bonnie Mbuli


Die Probleme Afrikas - ob aktuelle oder vergangene - gehören nicht zu den Themen, denen sich Hollywood bisher im Übermaß gewidmet hat - "Hotel Ruanda" beispielsweise bildete im Jahr 2005 schon eine Ausnahme. 2007 scheint sich in diesem Punkt einiges zu tun, denn gleich zu Beginn stehen drei Filme zu dieser Thematik an. Neben den Oscar-Favoriten "Blood Diamond" und "Der letzte König von Schottland" ist das im hier vorliegenden Fall "Wer Feuer sät...", das unter anderem mit dem Oscar-Gewinner Tim Robbins aufwarten kann und den Zuschauer mit zurück in die 80er Jahre nimmt, in ein Südafrika, in dem die Apartheid, also die Rassentrennung herrscht.

Patrick Chamusso (Derek Luke) ist kein politischer Mensch. In einer Öl-Raffinerie ist er als Vorarbeiter angestellt und in seiner Freizeit widmet er sich seiner Frau Precious (Bonnie Mbuli), seinen Kindern sowie einer Jugend-Fußball-Mannschaft, die er trainiert. Ein Anschlag auf die Raffinerie, für den die ANC (Terroristen-Organisation oder Widerstandskämpfer - je nach Blickwinkel), die sich gegen die Unterdrückung der Farbigen auflehnt, verantwortlich gemacht wird, hat für Patrick weitreichende Folgen. Er gerät ins Visier des Leiters der Anti-Terror-Einheit - Nic Vos (Tim Robbins) -, wird festgenommen, verhört und gefoltert. Nachdem Patrick mangels Beweisen jedoch wieder auf freien Fuß gerät, schließt er sich infolge eines Wandels seines Weltbilds der ANC an...

Phillip Noyces "Wer Feuer sät..." beruht auf einer wahren Geschichte, die jedoch im Sinne der Dramaturgie um Charaktere und Handlungen ergänzt wurde. Geholfen hat es leider nicht allzu viel, denn was dem Polit-Drama in erster Linie zu schaffen macht, sind eben Schwächen in der Dramaturgie. Während der stimmungsvolle Beginn noch ein sehr beängstigendes Bild der unter der Apartheid leidenden farbigen Bevölkerung zeichnet, geht das Interesse mit zunehmender Dauer verloren - am Fortlauf der Handlung sowie am Schicksal der Charaktere. Zunächst macht Noyce alles richtig, indem er sich die Zeit nimmt, die Charaktere (beider Seiten) richtig einzuführen. Doch leider ist dies im zweiten Teil des Films, der schon fast im Genre des Thrillers anzusiedeln ist, kaum noch von Bedeutung. Der Wandel Patricks ist trotz der Haft nur schwer nachvollziehbar, die Geschichte wird zu hektisch voran getrieben, zu viele Fragen bezüglich bestimmter Charaktere bleiben offen und das Ende wirkt in Anbetracht der gewählten Thematik einfach zu schmalzig.

Zudem bleibt Hauptdarsteller Derek Luke ein wenig blass, ebenso sein Gegenpart Tim Robbins. Letztendlich ist die Schuld aber wohl eher im Drehbuch zu suchen, warum die beiden nicht zur Entfaltung kommen. Gerade von Robbins weiß man, dass er mehr kann, schließlich hat er den Oscar ja nicht für den Auftritt in einem Werbe-Spot bekommen. Bemerkenswert ist jedoch der Auftritt von Bonnie Mbuli als Patricks Frau Precious, die jede Menge Kraft und Entschlossenheit, aber Verletzbarkeit zugleich in ihre Rolle packt.

Kein Zweifel - "Wer Feuer sät..." ist ein ambitioniertes, lehrreiches, wichtiges und begrüßenswertes Projekt. Allein es fehlt ihm ein größerer Unterhaltungswert. In der zweiten Filmhälfte geht es einfach zu sehr drunter und drüber, als dass diese noch irgendwie zu fesseln vermag. Berechtigte Hoffnungen ruhen nun also auf den anderen beiden Filmen über den Schwarzen Kontinent, die schon kurz nach "Wer Feuer sät..." ins Rennen gehen.

Note: 3-


Aktuelle Kritiken

The Fountain (18.01.07)
Der Fluch der Betsy Bell (11.01.07)
Prestige (04.01.07)
Der weiße Planet (28.12.06)
Déjà Vu (27.12.06)
Die Rotkäppchen-Verschwörung (27.12.06)
Babel (21.12.06)
Departed: Unter Feinden (07.12.06)
Casino Royale (23.11.06)

Neustarts vom 18. Januar 2007

Jeder, der in dieser Woche gewillt ist, ins Kino zu gehen, sollte eigentlich einen passenden Film finden - die Auswahl ist außerordentlich groß.

Der etwas anspruchsvollere Kinogänger hat die Qual der Wahl zwischen Clint Eastwoods Kriegs-Drama Flags of Our Fathers (USA, FSK 12, 131 Minuten), Darren Aronofskys bildgewaltigem Liebesfilm The Fountain (USA, FSK 12, 98 Minuten), der Lebensmittel-Doku Unser täglich Brot (Österreich, FSK 12, 92 Minuten) sowie dem Polit-Drama Wer Feuer sät... (USA, FSK 12, 101 Minuten).

Ein wenig Richtung Anspruch schielt sicherlich auch die Aufsteiger-Story Vom Streben nach Glück (USA, FSK 0, 117 Minuten) mit Will Smith in der Hauptrolle. Wer es humorvoller mag, ist vermutlich in der Bobfahrer-Komödie Schwere Jungs (Deutschland, FSK 0, 94 Minuten) oder der Teenie-Comedy Rache ist sexy (USA, FSK 0 beantragt, 89 Minuten) besser aufgehoben, wobei die Qualität von Letzterem sicherlich angezweifelt werden darf.

Freunde des Horrors schließlich werden in dieser Woche mit The Return (USA, FSK 16, 86 Minuten) mit Sarah Michelle Gellar in der Hauptrolle sowie dem um etwa acht Minuten gekürzten Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (USA, FSK 18, 83 Minuten) bedient.

Kino-Charts vom 17. Januar 2007

  1. Nachts im Museum
  2. Mein Führer
  3. Déjà Vu
  4. Liebe braucht keine Ferien
  5. Casino Royale
  6. Die Queen
  7. Schweinchen Wilbur und seine Freunde
  8. Eragon
  9. Departed: Unter Feinden
  10. Babel

"Nachts im Museum" verteidigt auch in der dritten Woche die Führung. "Mein Führer" startet auf Platz 2, "Die Queen" auf Platz 6 - damit können beide sicher zufrieden sein.

US-Top3: "Stomp the Yard" / "Nachts im Museum" / "Das Streben nach Glück"

Dienstag, Januar 16, 2007

Kritik: Prestige

USA, FSK 12, 130 Minuten

Genre: Historien-Thriller-Drama
Start: 4. Januar 2007

Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan, Jonathan Nolan
Darsteller: Hugh Jackman, Christian Bale, Sir Michael Caine, Scarlett Johansson, Ruth Hall, Piper Perabo, David Bowie, Andy Serkis


Gleich zu Jahresbeginn steht mit "Prestige" ein echtes Großereignis an. Einer der meist erwarteten Filme 2007. Einer, bei dem sich alles, was sich unterhalb des Status' "kleines Meisterwerk" bewegt, schon fast als Enttäuschung durchgehen muss. Nun, ein Meisterwerk ist "Prestige" nicht geworden, auch kein kleines. Auch die eine oder andere Enttäuschung gilt es hinzunehmen. Doch trotzdem: Der großartige Christopher Nolan untermauert auch hiermit seinen Ruf als Wunderkind.

Robert Angier (Hugh Jackman) und Alfred Borden (Christian Bale) sind bekannte Zauberer in einem London, das sich mit Riesenschritten aufs 20. Jahrhundert zu bewegt. Ein tödliches Unglück macht aus ehemaligen Freunden erbitterte Feinde, die sich nun mit nahezu allen Mitteln bekämpfen. Borden stellt sein gesamtes Leben in den Dienst der Magie und ist auf der Suche nach dem perfekten Trick. Als er ihn findet, ist Angier wie besessen davon, hinter das Geheimnis des Zaubertricks zu kommen. Sie spionieren sich gegenseitig aus und schon bald ist ihnen jedes Mittel recht, dem anderen einen Denkzettel zu verpassen. Dass dies irgendwann in einer Katastrophe endet, scheint unabwendbar...

Christopher Nolan ist ein Name, von dem jeder schon einmal etwas gehört oder gelesen haben sollte, der sich auch nur annähernd für die gehobene Filmkunst interessiert. Sein Debüt "Following" (1998), das es erst 2005 in unsere Kinos geschafft hat, begeisterte trotz bescheidenster Mittel mit einer cleveren, durchdachten Handlung. Mit "Memento", seinem zweiten Werk also, schuf Nolan einen innovativen Film, dem - da ist sich die Film-Fan-Gemeinde einig - der Aufdruck "Meisterwerk des neuen Jahrtausends" gebührt. Mit Film Nummer 3 - "Insomnia" - verschlug es ihn sogleich nach Hollywood, wo er weiter für Aufsehen sorgte. Mit "Batman Begins" schließlich gelang ihm vor zwei Jahren ein starkes und gefeiertes Flattermann-Comeback, dem demnächst eine Fortsetzung (ebenfalls unter seiner Regie) folgen wird.

Was er in "Following" andeutete, in "Memento" auf die Spitze trieb und selbst in "Batman Begins" zum Einsatz kommen ließ, darf natürlich auch in "Prestige" nicht fehlen: die nicht chronologische Erzählweise. Auch wenn ihr Einsatz dieses Mal durch die Thematik des Films nicht direkt gerechtfertigt ist, verkommt sie nicht wie in zahlreichen anderen Filmen zum bloßen Selbstzweck, sondern ist quasi nötig, um die Geschichte so zu erzählen, wie Nolan es hier tut. Der Anspruch ist somit auf einem angenehmen Level. Um der Handlung folgen zu können, ist Konzentration erforderlich; das Denken bereitet jedoch keine Kopfschmerzen. Wer zu viel denkt, ist sowieso im Nachteil (dazu gleich mehr). Auch wenn "Prestige" somit deutlich massentauglicher ist, als Nolans frühere Werke, bleibt ihm der Erfolg in Deutschland, zumindest im Hinblick auf die Kino-Charts, verwehrt. Kein Sprung in die Top10, dies aber immerhin mit mehr als 70 000 Besuchern in der ersten Woche.

Im Grunde ist "Prestige" fast ohne Schwachpunkt. Die Story wird phantasievoll erzählt, die Regie ist souverän, die Charaktere und Dialoge besitzen Tiefe und an Überraschungen und Wendungen mangelt es dem Film nicht. In Letzterem steckt jedoch auch der einzige richtig große Haken: Die beiden großen Plot-Wendungen am Schluss lassen sich bereits weit im Voraus erahnen (deshalb vielleicht nicht zu viel denken...). Doch zumindest einer der beiden Punkte enthält nur die halbe Wahrheit, so dass das Ende doch noch ein wenig überraschend daher kommt. Normalerweise würde diese Vorhersehbarkeit einen Film weit nach unten ziehen, doch bei "Prestige" liegt der Fall etwas anders. Man darf die Erwartungen an den Film nicht auf ein überraschendes Ende reduzieren, wie man es von Nolan bisher gewohnt ist. Es ist eher eine Art Zugabe auf das, was man sich im Filmverlauf eh schon erarbeitet hat, denn im Kern ist "Prestige" ein trotz seiner Komplexität in sich schlüssiges Drama, das von der Besessenheit seiner Charaktere und deren fatalen Folgen erzählt. Nolans Filme waren immer zum Teil Thriller, zum Teil Drama. Hier überwiegt erstmals Letzteres.

Dass sein Drama so gut funktioniert, ist zu großen Teilen dem stark aufspielenden Darsteller-Cast zu verdanken. Bale hat sich mit Filmen wie "The Machinist", "American Psycho" oder eben "Batman Begins" bereits einen Namen gemacht, Jackman ist nach seinen Kaugummi-Rollen vergangener Zeiten nun dabei - siehe "Scoop" oder "The Fountain". Beide spielen ihre Rollen durch und durch glaubwürdig. Hinzu kommen Namen wie Scarlett Johansson (ebenfalls ganz groß im Rennen) als Zauber-Assistentin Olivia, die einerseits als Blickfang und andererseits einer gewissen Funktion innerhalb des Plots dient, und Sir Michael Cane als alter Zauber-Hase. Beide spielen ebenso überzeugend wie die in weiteren Rollen vertretenen Piper Perabo, Ruth Hall, David Bowie und Andy Serkis.

Weil alle so fixiert auf die Schlusspointe waren, hat keiner mitbekommen, dass Shyamalan mit "The Village" eigentlich ein toll bebildertes Drama geschaffen hat. Ein ähnliches Schicksal droht Nolans "Prestige". Hätte er darauf verzichtet, die Auflösung zentraler Handlungspunkte bis zum Schluss hinauszuzögern, wo eh schon jeder weiß, was Sache ist, wäre aus seinem Film sicherlich ein besserer geworden. Schade, dass man den Kinosaal somit mit einem leicht enttäuschten Gefühl verlässt, obwohl man eigentlich einen ziemlich guten Film gesehen hat. So ist Nolans fünfter Film also der fünfte bemerkenswerte Eintag in seine Filmographie. Die "Begins"-Fortsetzung "The Dark Knight" darf kommen.

Note: 2


Aktuelle Kritiken

The Fountain (18.01.07)
Der Fluch der Betsy Bell (11.01.07)
Der weiße Planet (28.12.06)
Déjà Vu (27.12.06)
Die Rotkäppchen-Verschwörung (27.12.06)
Babel (21.12.06)
Apocalypto (14.12.06)
Departed: Unter Feinden (07.12.06)
Happy Feet (30.11.06)
Casino Royale (23.11.06)

Golden Globe 2007

Vergangene Nacht wurden in familärer Atmosphäre wieder einmal die "Golden Globes", die Vorboten des "Oscars", verliehen.

In den wichtigsten Kategorien ging die Verleihung ohne große Überraschungen über die Bühne. Bester Film wurde Alejandro Gonzalez Inárritus "Babel", dafür ging der Regie-Globe an Martin Scorsese für sein "Departed" - man könnte von einer Kompromiss-Lösung sprechen.

Die Preise für die besten Hauptrollen sahnten - wie erwartet - Helen Mirren ("Die Queen") und Forest Whitaker ("Der letzte König von Schottland") ab. Spätestens jetzt besteht kaum noch ein Zweifel daran, dass hier zugleich die zukünftigen Oscar-Gewinner ausgezeichnet wurden.

Zumindest in Anbetracht der recht verhaltenen Kritiken hierzulande heißt die Überraschung des Abends wohl "Dreamgirls", ausgezeichnet als bestes Musical/Komödie (und somit nun offiziell besser als "Borat", "Der Teufel trägt Prada", "Little Miss Sunshine" und "Thank You for Smoking"...) sowie in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin". Die eigentliche Sensation ist jedoch der Preis, der in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" verliehen wurde - denn dieser ging an Eddie Murphy. Richtig gelesen... Komiker Eddie Murphy lässt den ebenfalls überraschend nominierten Ben Affleck sowie die Schwergewichte Mark Wahlberg und vor allem Brad Pitt und Jack Nicholson (Letzterer übrigens dauergrimassierend im Publikum) hinter sich - das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen...

Eine weitere Sensation des Abends war nicht der Gewinn Sacha Baron Cohens in der Kategorie "Bester Schauspieler in einem Musical oder einer Komödie", sondern die Tatsache, dass er auch als Sacha Baron Cohen den Preis in Empfang genommen hat - und nicht etwa in Gestalt von Borat oder einer seiner anderen beiden Identitäten. Seine Rede, in der er ausführlich auf die vermutlich beste Bett-Szene aller Zeiten einging und ohne die er den Globe seiner Meinung nach kaum bekommen hätte, gehörte zu den witzigsten des Abends. Dieser Mann ist einfach genial.

Im neu eingeführten Animations-Genre ging der Preis an "Cars". Etwas schade, denn meiner Meinung nach hätte er eigentlich dem großartigen "Happy Feet" gehört. Aber immerhin: Zumindest wurde das auf ganzer Linie enttäuschende "Monster House" nicht ausgezeichnet. Dass der Preis nur an einen vermeintlich mittelmäßigen Genre-Beitrag ging, ließ sich jedoch spätestens dann verschmerzen, als Regisseur John Lasseter auf die Bühne kam und das Kind im Manne zum Vorschein brachte. "Cars" ist so etwas wie sein Lebenswerk - der Preis sei ihm gegönnt.

Clint Eastwood schnappte sich den Globe für den besten ausländischen Film ("Letters From Iwo Jima"). Der deutsche Beitrag "Das Leben der Anderen" ging somit leer aus.


Natürlich wurden auch im Bereich "Fernsehen" eifrig Globes verliehen. In wichtigen Kategorien wurde "Grey's Anatomy" als beste Drama-Serie geehrt (gegen starke Konkurrenz u.a. mit "24" und "Lost") und "Ugly Betty" als beste Comedy-Serie. In Deutschland kennt man diese Serie unter dem Namen "Verliebt in Berlin". Die US-Version gewinnt wichtige Preise (auch in der Kategorie "Beste Schauspielerin"), die deutsche wird in der Luft zerrissen - das sollte wieder einmal zu denken geben. Hugh "House" Laurie wurde schließlich als bester Darsteller in einer Drama-Serie ausgezeichnet.


Der "Cecil B. DeMille Award" wurde von Tom Hanks an Warren Beatty überreicht - die ausführlichen Reden der Beiden gehörten natürlich zu den besten des Abends.


Abschließend noch eine kleine Anmerkung zur Präsentation der Verleihung. Zumindest in diesem Bereich haben die deutschen Kollegen ganz klar die Nase vorn. Kameramänner im Bild, die sich kurz darauf wegducken, nichtssagende Einstellungen, eine nervtötende Regie - wenn man nicht wüsste, dass dies in den USA an der Tagesordnung ist, könnte man glatt von Unprofessionalität sprechen. Die letzte Viertelstunde, in der offenbar zuvor verloren gegangene Zeit aufgeholt werden musste und somit ausgerechnet die wichtigsten Kategorien regelrecht im Eiltempo abgehandelt wurden, trägt ihr Übriges zu diesem Eindruck bei.

Zum Schluss hat im Übrigen Gouvernator Arnold Schwarzenegger noch vorbei geschaut (nach seinem Beinbruch immer noch auf Krücken), einen Preis überreicht, und sich mit den Worten "We'll be back" verabschiedet.


Am 25. Februar findet die Oscar-Verleihung statt.

Freitag, Januar 12, 2007

Kritik: The Fountain

USA, FSK 12, 98 Minuten

Genre: Liebes-Drama
Start: 18. Januar 2007

Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Darren Aronofsky
Darsteller: Hugh Jackman, Rachel Weisz


Für gewöhnlich sind die Erwartungen, mit denen man einer Sneak Preview entgegen tritt, eher gering. Es ist ja nicht so, dass man ausnahmslos schlechte Filme vorgeführt bekommt, doch sucht man Originelles oder gar Außergewöhnliches hier eher vergebens. So ist meine Verwunderung vielleicht nachzuvollziehen, als ich mich nun mit "The Fountain" konfrontiert sah, einem Film, der in Sachen Massenuntauglichkeit kaum zu überbieten ist. Da wundert es auch nicht, dass der Durchschnitts-Sneaker den Saal vorzeitig verlässt, an den unpassendsten Stellen lacht oder ein lautes "Häää?" in die Menge drischt, sobald sich der Sinn einer Szene nicht innerhalb weniger Sekunden erschließt. Der Freund anspruchsvoller und inspirierter Kinounterhaltung hingegen lehnt sich entspannt zurück, ignoriert die Kino-Kunst-Verweigerer und erfreut sich am seltenen Sneak-Glück.

Tommy Creo (Hugh Jackman) ist Wissenschaftler und forscht nach einer Heilmethode für Krebs. Die Aussichten auf den Durchbruch sind nicht schlecht, doch läuft ihm die Zeit davon - seine Frau Izzi (Rachel Weisz) ist daran erkrankt. Desweiteren ist Tommy ein spanischer Konquistador im Dienste der Königin, auf der Suche nach dem ewigen Leben - und zwar im 16. Jahrhundert. Und Tommy ist ebenfalls ein Reisender - in der Zukunft. Gemeinsam mit einem Baum in einer riesigen Kugel durch das Weltall.

Wie das möglich ist und wie diese drei Ebenen zusammenhängen? Keine Ahnung. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob dieser Film überhaupt eindeutige Antworten auf diese Fragen gegeben hat. Drehbuchautor und Regisseur Darren Aronofsky, der nach "Pi" und "Requiem for a Dream" seine dritte Regiearbeit abliefert, gibt zumindest Ansätze, die jedoch garantiert verschieden interpretiert werden. Was genau ist "The Fountain" eigentlich? Am Besten lässt es sich vielleicht als Liebes-Drama bezeichnen, welches sich über den Zeitraum mehrerer Jahrhunderte erstreckt. Auch Historie und Science-Fiction spielen somit eine Rolle. Um das Gesehene erklären zu können, muss man sich letztendlich wohl auch religiöser und Fantasy-Elemente bedienen dürfen. Wer sich auf "The Fountain" einlässt, sollte also wissen, dass das auf-etwas-Einlassen in diesem Film wirklich von allerhöchster Priorität ist. Ist man nicht bereit, in die Wunderwelt des Darren Aronofsky einzutauchen, gerät das Geschehen schnell zum Ärgernis.

Nach großartigem Beginn mit wundervollem Wechsel der Zeit-Ebenen spielt sich das Geschehen anschließend hauptsächlich in der Gegenwart ab, also die Suche nach dem Heilmittel. Zwar erzählt Aronofsky diese Geschichte durchaus fantasievoll und spielt geschickt mit Erwartungen (so glaubt man sich kurzzeitig in der Vergangenheit, obwohl dies nicht der Fall ist), doch ist diese Ebene leider auch diejenige, die einem am Wenigsten interessiert. Es fehlt einfach ein wenig die Bindung zu den Charakteren. Viel bemerkenswerter ist da das Geschehen in der Vergangenheit und ganz besonders in der Zukunft, für welche Aronofsky einfach sagenhafte Bilder findet und für einen unvergesslichen Sehgenuss sorgt (s. Filmplakat). Wer will da noch in der Gegenwart verweilen?

Wenn "The Fountain" auf sein Ende zusteuert und man sich mit einem Film abgefunden hat, der sein Potential nicht vollends ausschöpft, geht's noch einmal in die Vollen. Die Bilder, die Aronofsky hier im Zusammenspiel mit der genialen Musik von Clint Mansell in den letzten zehn Minuten auf sein Publikum loslässt, sind der blanke Wahnsinn. Ein Erlebnis, das sich vermutlich auf Jahre hinaus nicht wiederholen wird. Es geht nun überhaupt nicht mehr darum, zu verstehen, was hier vor den Augen abläuft - man muss es einfach fühlen. Wenn man es in diesen letzten Minuten schafft, sich für die Genialität Aronofskys zu öffnen, sich auf sie einzulassen, dann weiß man tief im Inneren, dass man den Film verstanden hat, auch wenn das Gehirn etwas anderes sagt.

Neben dieser inspirativen Offenbarung ist sicherlich das Hauptdarsteller-Duo der größte Plus-Punkt, den "The Fountain" zu bieten hat. Sämtliche Erinnerungen an Hugh Jackman, die sich noch aus den "X-Men"-Teilen oder dem grauenhaften "Van Helsing" im Kopf befinden, sind augenblicklich zu entfernen - das hier ist ein anderer Mensch. Jackman liefert eine Leistung ab, die ihm wohl nicht zuzutrauen gewesen ist, und die für die Zukunft noch Großes erhoffen lässt. Ich lehne mich mal etwas weiter aus dem Fenster heraus: Irgendwann greift der sich einen Oscar. Rachel Weisz hat diesen bereits für ihre Leistung in "Der ewige Gärtner" bekommen. Jackman kann sie zwar nicht die Stirn bieten, aber überzeugend ist das, was sie hier zeigt, allemal.

Es ist schon ein wenig schade. Eingebettet in einen grandiosen Beginn und ein überragendes Finale gestaltet sich der Mittelteil, hauptsächlich bestehend aus Gegenwarts-Handlung, nicht immer nur unterhaltsam, sondern manchmal auch richtig zäh. Das Handlungsgerüst als solches ist leider wenig spektakulär und gibt auch nicht wirklich viel her. Hier vertraut Aronofsky wohl ein wenig zu sehr auf die Magie seiner Bilder und Botschaften. Egal. Meckern ist nicht angebracht. Sind wir für Werke dieser Art dankbar, die ein Mainstream-Regisseur niemals zu Stande bringen könnte. Hoffentlich lässt sich Aronofsky keine weiteren fünf Jahre Zeit, um uns mit Nachschub zu versorgen.

Note: 2


Aktuelle Kritiken

Der Fluch der Betsy Bell (11.01.07)
Der weiße Planet (28.12.06)
Déjà Vu (27.12.06)
Die Rotkäppchen-Verschwörung (27.12.06)
Babel (21.12.06)
Apocalypto (14.12.06)
Departed: Unter Feinden (07.12.06)
Happy Feet (30.11.06)
Casino Royale (23.11.06)

Bester Film 2006 - Teil 2

Jeweils ohne Gegenstimme haben sich "Deutschland. Ein Sommermärchen" (3 Stimmen) in Gruppe C und "Walk the Line" (9 Stimmen) in Gruppe A durchgesetzt. Nicht ganz so eindeutig ist die Abstimmung in Gruppe B gelaufen, in der sich "Departed: Unter Feinden" mit drei Stimmen den Finaleinzug vor "Der ewige Gärtner" mit zwei Stimmen gesichert hat.


Hier nun die weiteren drei Gruppen:

Gruppe D
Welcher dieser Filme aus 2006 war der Beste?
Borat
Der freie Wille
Elementarteilchen
Kaltes Land
Stay
Transamerica


Gruppe E
Welcher dieser Filme aus 2006 war der Beste?
Casino Royale
Das Schloss im Himmel
Hard Candy
München
Sommer vorm Balkon
The Weather Man


Gruppe F
Welcher dieser Filme aus 2006 war der Beste?
Brick
Das Leben der Anderen
Flug 93
Jarhead
Lord of War
Tsotsi



Die Wahl läuft bis Donnerstag, den 18. Januar.

Donnerstag, Januar 11, 2007

Verrückt nach Clara: Der Serienauftakt

Clara ist 29 Jahre alt, arbeitet als Journalistin und springt mit allem und jedem ins Bett, um den Mann ihrer Träume zu finden. Ok... versuchen wir es etwas sachlicher. Das Liebesleben der 29-jährigen Journalistin Clara steckt in der Krise. Zwar führt sie offiziell eine Beziehung mit Paul, doch ist dies bloß zum Schein. Sie will den Anschein erwecken, vergeben zu sein; er will auf ein Coming Out verzichten und so seine Homosexualität verbergen.

Die Idee dieser Schein-Beziehung ist eigentlich ganz nett, aber eigentlich auch ziemlich bescheuert. Vielleicht wäre es aus der Sicht von Paul ratsamer, sich einfach "normal zu verhalten", anstatt Gefahr zu laufen, dass die Schein-Beziehung auffliegt und er in Erklärungsnot gerät. Aber egal.

"Verrückt nach Clara" heißt also die neue deutsche Romantik-Serie, mit der uns Pro7 nun wöchentlich beglückt. Entwarnung: Qualitäts-Fernsehen sieht anders aus, aber besser als der Telenovela-Schrott à la "Sturm der Liebe" ist es allemal. Die Serie kommt sympathisch herüber, hat aber leider die eine oder andere Macke. Clara-Darstellerin Julia-Maria Köhler neigt zum Over-Acting und schafft es einfach nicht, den Gesichtsmuskeln auch mal eine Pause zu gönnen. Nuanciertes Spiel sieht wahrlich anders aus, eine Fehlbesetzung ist sie trotzdem nicht. Die anderen Darsteller fallen weder positiv, noch negativ auf.

Aus dem Off kommentiert Clara "Sex and the City"-like ihr Handeln. Neben Witzigem muss man aber leider auch viel zu oft pseudo-philosophische Lebensweisheiten über sich ergehen lassen. Die Charakterisierungen bewegen sich auf durchschnittlichen Niveau. Während Frohnatur Clara zu Beginn noch mächtig auf die Nerven geht, gibt sie gegen Ende ein deutlich realistischeres Bild ab. Erfrischend ist ihre offen-ehrliche Art. Die Musik wiederum markiert einen weiteren Kritikpunkt - die Friede-Freude-Eierkuchen-Songs nerven.

Und wie gut ist "Verrückt in Clara" nun insgesamt? Sagen wir es mal so: Das Zusehen bereitet keine Qualen, macht aber auch nicht überdurchschnittlich viel Spaß. Jede Woche muss man sich das sicherlich nicht antun, aber zur Unterhaltung nebenbei - sofern nichts Vernünftiges läuft - ist es durchaus brauchbar.

Neustarts vom 11. Januar 2007

Zwei Filme stehen in dieser Woche besonders im öffentlichen Interesse. Neben dem sehr hoch eingeschätzten Die Queen (USA, FSK 6, 97 Minuten / glaubt man den Experten, ist Hauptdarstellerin Helen Mirren der Oscar so gut wie sicher) wäre das vor allem die Hitler-Komödie Mein Führer (Deutschland, FSK 12, 90 Minuten), die der Großteil der Kritiker als zu politisch korrekt und somit im Großen und Ganzen als misslungen betrachtet. Dazu passend hat sich Hitler-Darsteller Helge Schneider öffentlich von diesem Film distanziert.

Für wahre Cineasten oder Interessierte des Asien-Kinos ist sicherlich auch Lady Vengeance (Südkorea, FSK 16, 115 Minuten) eine Erwähnung wert, der Abschluss von Park Chan-wooks so genannter Rache-Trilogie. Unbedingt abzuraten ist hingegen von Der Fluch der Betsy Bell (USA, FSK 16, 90 Minuten), einem fürchterlich öden und sinnlosen Gruselfilmchen.

Mittwoch, Januar 10, 2007

Kino-Charts vom 10. Januar 2007

  1. Nachts im Museum
  2. Déjà Vu
  3. Casino Royale
  4. Liebe braucht keine Ferien
  5. Eragon
  6. Schweinchen Wilbur und seine Freunde
  7. Happy Feet
  8. Departed: Unter Feinden
  9. Babel
  10. Flutsch und weg

Keine Veränderungen auf den ersten fünf Positionen; "Nachts im Museum" verteidigt souverän die Spitze und kratzt bereits an der 2-Millionen-Marke. "Schweinchen Wilbur und seine Freunde" markiert den höchsten Neueinstieg; "Prestige" verpasst die Top10 trotz einer Besucherzahl über 70 000. "Happy Feet" auf 7 steht seit dieser Woche bei über einer Million Besucher, "Déjà Vu" und "Departed" könnte dies nächste Woche gelingen. "Babel" hält sich bereits die dritte Woche in den Top10.

US-Top3: "Nachts im Museum" / "Das Streben nach Glück" / "Children of Men".

Montag, Januar 08, 2007

Kurzkommentare

Die "alte" Moviepage habe ich nun ein wenig umgestaltet und sie im Grunde auf sämtliche Archive reduziert.

Außerdem habe ich eine neue Rubrik hinzugefügt, in der ich einige Filme, zu denen ich noch keine Kritik verfasst habe, zumindest in ein, zwei kurzen Sätzen kommentiere. Die Aktualisierungen/Erweiterungen erfolgen, ohne dass ich es hier extra publik mache.

Sonntag, Januar 07, 2007

Im Kreuzfeuer der Kritik (1)

In dieser Rubrik werfe ich etwa aller zwei Wochen einen Blick voraus und schaue, wie die ersten Reaktionen seitens der Kritiker auf bestimmte Filme ausfallen. (Dabei berufe ich mich im Übrigen auf den Pressespiegel von filmstarts.de)

Der neue Film von Edward Zwick, Blood Diamond, fährt exzellente Kritiken ein und ist sicherlich ein heißer Kandidat für die eine oder andere Oscar-Nominierung. In den Hauptrollen sind Leonardo DiCaprio, Djimon Hounsou und Jennifer Connelly zu sehen.
Start: 25. Januar 2007

Nach den sehr positiven US-Kritiken zu einem weiteren Oscar-Kandidaten, dem Musical Dreamgirls mit Jamie Foxx, Beyoncé Knowles und Eddie Murphy, äußern sich die Kritiker hierzulande zunächst eher verhalten.
Start: 1. Februar 2007

Als fast schon sensationell sind die positiven Kritiken zu Rocky Balboa, dem sechsten Teil der Boxer-Reihe mit und von Sylvester Stallone, zu bezeichnen. Im Trailer heißt es "die größte Underdog-Geschichte unserer Zeit ist bereit für eine letzte Runde" - es scheint ein Abschied in Würde zu werden.
Start: 8. Februar 2007

Erste Kritiken zum Spionage-Thriller Der gute Hirte von und mit Robert De Niro : durchschnittlich bis hervorragend. In weiteren Rollen: Matt Damon, Angelina Jolie und Alec Baldwin.
Start: 15. Februar 2007

Eine erste amerikanische 8/10-Punkte-Kritik ist zu Clint Eastwoods Kriegsfilm Letters From Iwo Jima aufgetaucht, dem Gegenstück zu "Flags of Our Fathers".
Start: 22. Februar 2007

Schon jetzt einer der interessantesten Titel des Jahres: Pan's Labyrinth von Guillermo Del Toro. Die ersten Reaktionen auf den Fantasy-Film sind überragend.
Start: 22. Februar 2007

Erste recht ordentliche Kritiken gibt's zu Steven Soderberghs Thriller The Good German mit George Clooney, Tobey Maguire und Cate Blanchett.
Start: 1. März 2007

Mit was haben wir es bei Home of the Brave zu tun? Samuel L. Jackson, Jessica Biel, 50 Cent und Christina Ricci spielen gemeinsam in einem Film mit, der von Rückkehrern aus dem aktuellen Irak-Krieg erzählt. Die US-Presse ist zunächst wenig begeistert.
Start: 22. März 2007

Nicht wirklich überraschend sind die ersten hervorragenden Kritiken zu Zhang Yimous Der Fluch der goldenen Blume - schließlich hat Yimou bereits für die Kritikerlieblinge "Hero" und "House of Flying Daggers" gesorgt.
Start: 12. April 2007

Der neue Film von David Lynch, Inland Empire, wird wohl wieder einmal polarisieren. Bestes Beispiel: Die erste Kritik, die im Filmstarts-Pressespiegel auftaucht, gibt 2/10.
Start: 26. April 2007

Freitag, Januar 05, 2007

Bester Film 2006 - Teil 1

Insgesamt 36 Filme stehen dieses Mal zur Auswahl zum besten Film des Jahres 2006. Zunächst soll aus sechs 6er-Gruppen jeweils der Favorit gewählt werden. Die Filme mit den jeweils meisten Stimmen treten dann im Finale gegeneinander an. Bei Stimmengleichheit entscheide ich über den Sieger (gebe also auch eine Stimme ab).


Hier die ersten drei Gruppen:

Gruppe A
Welcher dieser Filme aus 2006 war der Beste?
Capote
Ein Freund von mir
Good Night, and Good Luck
Little Miss Sunshine
Syriana
Walk the Line


Gruppe B
Welcher dieser Filme aus 2006 war der Beste?
Children of Men
Das Parfum
Departed: Unter Feinden
Der ewige Gärtner
Snow Cake
Volver


Gruppe C
Welcher dieser Filme aus 2006 war der Beste?
Babel
Black Dahlia
Brokeback Mountain
Deutschland. Ein Sommermärchen
Thank You for Smoking
The New World



Die Wahl läuft bis Donnerstag, den 11. Januar.

Kritik: Déjà Vu

USA, FSK 12, 127 Minuten

Genre: Action-Thriller
Start: 27. Dezember 2006

Regie: Tony Scott
Drehbuch: Bill Marsilii, Terry Rossio
Darsteller: Denzel Washington, Paula Patton, Val Kilmer, James Caviezel, Adam Goldberg, Elden Henson, Erika Alexander


Einem Déjà Vu könnte man erliegen, wenn man beim gleichnamigen Film einen Blick auf Handlung und Besetzungsliste wirft. Schon wieder thematisiert Tony Scott den Überwachungsstaat (nach "Staatsfeind Nr. 1") und schon wieder arbeitet er mit Denzel Washington zusammen (nach "Mann unter Feuer"). Doch "Déjà Vu" ist nicht nur das Vertrauen auf Altbewährtes, sondern zugleich eine Art Neuanfang. Im August 2005 ist Hurrikan Katrina über die USA hereingebrochen und hat vor allem im Gebiet um New Orleans erhebliche Schäden angerichtet - dem eigentlich vorgesehen Drehort. Das Team um Tony Scott entschied sich gegen einen Abbruch oder eine Verlagerung des Drehs, womit "Déjà Vu" eine der ersten Produktion der Post-Katrina-Ära darstellt.

Auch in der Filmhandlung ist nun gut ein Jahr seit Katrina vergangen. Die Menschen haben sich so gut es geht von der Katastrophe erholt - da werden sie auch schon von der nächsten heimgesucht: Bei einem Anschlag auf einen Luxus-Dampfer werden mehrere Hundert Menschen getötet. Agent Doug Carlin (Denzel Washington) nimmt sich des Falles an und ist nicht nur auf der Suche nach dem Täter, sondern versucht auch herauszufinden, wie eine halbseitig verbrannte Frauenleiche, die wenige Minuten, bevor der Anschlag verübt wurde, angeschwemmt wurde, ins Bild passt. Bei seinen Ermittlungen macht er Bekanntschaft mit einem Spezial-Team unter der Leitung von Agent Pryzwarre (Val Kilmer), schließt sich diesem an und erlebt schon bald Erstaunliches. Ihnen ist es möglich, so etwas wie einen Live-Stream zu empfangen - aus der Vergangenheit...

Ja, hier ist sie mal wieder - die Zeitreisethematik. Auf Filmemacher übt sie eine starke Faszination aus, doch nicht selten geht die Umsetzung gründlich in die Hose. Es hadert einfach zu oft an der dabei flöten gehenden Logik. Allen Skeptikern, die ähnliches nun auch für "Déjà Vu" befürchten, sei jedoch gesagt, dass sich hier eines kleinen Kniffs bedient wird, der eventuell auftretende Logikfehler einigermaßen wissenschaftlich erklärt - trotzdem: Man sollte sich nach Filmende mit dem Gesehenen zufrieden geben und auf eine weitreichende Überprüfung selbiges verzichten. Ach ja: Dass die Akzeptanz der Möglichkeit, in die Vergangenheit zu sehen und einzugreifen, seitens des Zuschauers dringend erforderlich ist, versteht sich natürlich von selbst.

Interessant ist "Déjà Vu" vor allem in der ersten Hälfte, in der sich gar nicht erst die Möglichkeiten bieten, mit der Logik in Konflikt zu geraten. Der fulminante Höhepunkt ist dann erreicht, wenn Doug mit dem Auto einen Verdächtigen verfolgt - Zeitübergreifend! So etwas hat es vermutlich noch nicht gegeben. Da sich die Story dann jedoch recht schnell als weniger komplex als zu Beginn erhofft entpuppt und die Agenten so langsam damit beginnen, an der Vergangenheit Veränderungen vorzunehmen, leidet die Qualität in Hälfte 2 natürlich schon ein wenig darunter. Alles andere als hilfreich ist auch der Trailer, der wichtige Details vorweg nimmt (im Grunde sogar die letzte Szene) und somit erahnen lässt, in welche Richtung sich das alles entwickelt.

"Déjà Vu" ist nicht so gut, wie es hätte werden können. Tony Scott scheitert nicht an der Zeitreisethematik, aber ein wenig zu schaffen macht sie ihm schon. Im Endeffekt ist der Film dann auch nicht so komplex und clever, wie es zunächst den Anschein gemacht hat. Dass die äußeren Werte, die in Scotts Hochglanz-Ästhetik eingewickelt sind, ebenso stimmen, wie die Darbietungen von Washington und Co., versteht sich natürlich auch wieder von selbst.

Note: 2-


Aktuelle Kritiken

Der Fluch der Betsy Bell (11.01.07)
Der weiße Planet (28.12.06)
Die Rotkäppchen-Verschwörung (27.12.06)
Babel (21.12.06)
Apocalypto (14.12.06)
Departed: Unter Feinden (07.12.06)
Happy Feet (30.11.06)
Casino Royale (23.11.06)

Donnerstag, Januar 04, 2007

Neustarts vom 4. Januar 2007

Christopher Nolan zaubert wieder und dieses Mal im wörtlichen Sinne. Sein Prestige (USA, FSK 12, 130 Minuten) erzählt die Geschichte zweier rivalisierender Zauberer im London des 19. Jahrhunderts. Nachdem er zuletzt mit "Batman Begins" der Comic-Reihe eindrucksvoll neues Leben eingehaucht hat und zuvor vor allem mit "Memento" für Aufsehen gesorgt hat, scheint sich "Prestige" nahtlos in die Reihe seiner beeindruckenden Werke einfügen zu können - auch wenn es dieses Mal durchaus die eine oder andere kritische Stimme gibt.

In Schweinchen Wilbur und seine Freunde (USA, FSK 0, 97 Minuten) versucht sich ein Ferkel mithilfe einer Spinne vor der bevorstehenden Schlachtung zu retten, in Spiel auf Bewährung (USA, FSK 12, 126 Minuten) stellt Dwayne "The Rock" Johnson in einer Jugendvollzugsanstalt ein Football-Team auf die Beine und Das Spiel der Macht (USA, FSK 12, 127 Minuten) erzählt vom Aufstieg und Fall eines von Sean Penn dargestellten Politikers.

Kino-Charts vom 3. Januar 2007

  1. Nachts im Museum
  2. Déjà Vu
  3. Casino Royale
  4. Liebe braucht keine Ferien
  5. Eragon
  6. Happy Feet
  7. Departed: Unter Feinden
  8. Flutsch und weg
  9. Babel
  10. Die Rotkäppchen-Verschwörung

Profitierend von einem vorgezogenen Start auf Mittwoch legt vor allem "Nachts im Museum" einen hervorragenden Start hin und kommt in Woche 1 auf fast 800 000 Besucher. Auf knapp die Hälfte bringt es "lediglich" "Déjà Vu". Der Spitzenreiter der vergangenen beiden Wochen - "Eragon" - stürzt tief und findet sich nun auf Rang 5 wieder. Neustarter "Die Rotkäppchen-Verschwörung" gelingt mit Ach und Krach der Sprung in die Top10.

US-Top3: "Nachts im Museum" / "Das Streben nach Glück" / "Dreamgirls".

24: Start der fünften Staffel

Jack Bauer (Kiefer Sutherland), ehemals Agent der CTU (Counter Terrorist Unit) Los Angeles, ist zurück und mit ihm eine der innovativsten US-Serien überhaupt. Falls jemand das Serienprinzip tatsächlich noch nicht kennen sollte: Auch die fünfte Staffel umfasst 24 Episoden. Pro Episode vergehen im Leben von Jack Bauer 60 Minuten, pro Staffel also exakt ein Tag. Schlussfolgerung: Das Geschehen findet in Echtzeit statt.

Nach dem Scheintod von Jack Bauer am Ende der vierten Staffel hat es nun offensichtlich jemand auf die vier Personen abgesehen, die in dieses Geheimnis eingeweiht sind. Ex-Präsident David Palmer wird im Appartement seines Bruders von einem Scharfschützen erschossen, wenige Minuten später explodiert ein Auto, das Michelle tötet und Tony schwer verletzt - beide sind ehemalige CTU-Agenten. Bei der Rettung der Vierten im Bunde, Chloe, kann Jack in Erfahrung bringen, dass Palmer das eigentliche Ziel der Anschläge ist. Er musste aus irgendeinem Grund zum Schweigen gebracht werden, Jack dient lediglich als Ablenkung. Zwei Stunden später befindet sich der Flughafen in den Händen von einem Dutzend Terroristen, die mit der Ermordung der Geiseln (darunter auch Jack, der zuvor den Grund, weshalb Palmer zum Schweigen gebracht wurde, zu spät herausgefunden hat) drohen, falls die Präsidenten Russlands und der USA die Idee eines Bündnisses im Kampf gegen Terroristen in die Tat umsetzen.

Die fünfte Staffel ist keine 15 Minuten alt und schon befinden sich zwei der Charaktere, die bisher für die Serie mit am Wichtigsten gewesen sind, im "24"-Himmel - was für ein Auftakt. Aber die Zuschauer zu überraschen oder zu schockieren, ist ja eigentlich noch nie das Problem gewesen. Eher waren es die mittelmäßigen Dialoge oder die vollkommen uninteressanten Charaktere mit noch uninteressanteren Geschichten, die teils viel zu sehr in den Mittelpunkt gerückt wurden. Meisterhaft sind die Dialoge immer noch nicht, doch besteht zumindest in letzterem Punkt Hoffnung, dass sich die aktuelle Staffel damit zurückhält. Ein ähnlich miserabler Handlungsstrang wie beispielsweise jener um Jacks Tochter Kim in Staffel 2 deutet sich im Moment nicht an - hoffen wir, dass es dabei bleibt.

Was der fünften Staffel zu schaffen machen könnte, ist hingegen der hohe Bodycount vergangener Staffeln. Wenn nun ein Charakter stirbt, und sei er auch noch so wichtig, berührt oder schockiert das kaum noch, weil es einfach zur Normalität geworden ist. Dass sich auch mal wieder ein Verräter in den eigenen Reihen aufhält - ist schon fast zu erwarten gewesen. Es dürfte mittlerweile also auch richtig schwer werden, den Zuschauer noch aus den Socken zu hauen. An jeder Ecke ist mittlerweile mit Mord, Verrat oder einer für Jack Bauer typischen Aktion zu rechnen - man kann nur hoffen, dass den Machern trotzdem noch etwas einfällt.

Aus der Erfahrung vergangener Staffeln lernen wir, dass hinter der Flughafen-Geiselnahme sicherlich noch etwas Größeres steckt, denn auch in diesem Punkt ist "24" immer wieder für Überraschungen gut gewesen. Hoffen wir also auch hier, dass das an sich momentan recht übersichtliche Szenario noch an Komplexität gewinnt.

Auch wenn die Episoden 2 und 3 mit der Überraschungsreichhaltigkeit und streckenweise vorhandenen Hochspannung des Season Openers nicht mithalten konnten und Skepsis als Ergebnis meiner eben angeführten Überlegungen wohl durchaus angebracht ist, hinterlassen die ersten drei Episoden der fünften Staffel einen guten Eindruck. Abgesehen vielleicht von der ziemlich klischeehaften Figur des US-Präsidenten gibt es bisher nicht ernsthaft etwas auszusetzen. Vielleicht wird "24" seinem ausgezeichneten Ruf im fünften Jahr endlich gerecht.

Dienstag, Januar 02, 2007

... und das wird 2007

Es sieht ein wenig nach einem Kinojahr der Gegensätze aus. Einerseits scheint die Flut an Pre- und Sequels einen neuen Höchststand zu erreichen und andererseits melden sich große Regisseure aus ihrer teilweise jahrelangen Abstinenz zurück. Mit Letzteren wollen wir auch gleich einmal beginnen.


Filme jener großartigen Regisseure tummeln sich nahezu allesamt im ersten Drittel des neuen Jahres. Den Anfang macht gleich am 4. Januar Christopher Nolan mit Prestige, der einst mit "Memento" einen zeitlosen Klassiker geschaffen und mit "Batman Begins" den erfolgreichen Sprung nach Hollywood gemeistert hat.
Lady Vengeance heißt der neue Film von Park Chan-wook, mit welchem er zugleich seine Rache-Trilogie beenden wird. Bei uns hat der zweite Teil, "Oldboy", den größten Bekanntheitsgrad erreicht.
Die Legende Clint Eastwood schlägt zu Beginn des Jahres gleich doppelt zu. Flags of Our Fathers und Letters From Iwo Jima zeigen eine entscheidende Schlacht im Zweiten Weltkrieg jeweils aus amerikanischer, beziehungsweise japanischer Sicht.

Ziemlich gespalten waren die Meinungen der Kritiker im Bezug auf Darren Aronofskys Liebes-Romanze The Fountain, die auf drei Zeitebenen spielt. Aronofsky hat mit den beiden Werken "Pi" und "Requiem for a Dream" auf sich aufmerksam gemacht.
Ein echter Genre-Wandler ist Marc Forster: vom Drama ("Monster's Ball", "Wenn Träume fliegen lernen") über den Thriller ("Stay") bis hin zur Komödie: Schräger als Fiktion erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen gesamtes Leben wiederum Teil einer Geschichte einer Buch-Autorin ist.
Mit Spannung erwartet wird auch Sunshine, ein Science-Fiction-Film von Danny Boyle, der mit "28 Days Later" vor einigen Jahren nach allgemeiner Auffassung einen der besten Horrorfilme des neuen Jahrtausends geschaffen hat.

Von Curse of the Golden Flower darf man sich wunderschöne Farbpanoramen und perfekt choreographierte Kämpfe erhoffen, schließlich führt kein Geringerer als Zhang Yimou Regie, auf dessen Konto auch "Hero" und "House of Flying Daggers" gehen. Vermutlich werden auch in seinem neuesten Werk der Physik keine Grenzen gesetzt sein.
Freuen darf man sich sicherlich auch auf Last Radioshow vom kürzlich verstorbenen Robert Altman.
Ein Mann, der mit "Sieben" und "Fight Club" zwei der besten Filme aller Zeiten abgeliefert hat, bringt endlich wieder Nachschub auf die große Leinwand. Nachdem "Panic Room" zumindest meine Erwartungen nicht einmal ansatzweise erfüllen konnte, ruhen meine Hoffnungen nun umso mehr auf David Finchers Zodiac, einem Massenmörder-Thriller.

Auch der andere David, nämlich der Lynch, meldet sich zurück. Inland Empire heißt sein neuester Streich, der Genie und Wahnsinn vermutlich mal wieder zusammenführen wird. Kleiner Vorgeschmack: Die Antwort auf die Frage, wovon dieser Film handle, lautete in etwa so: "Das weiß ich nicht. Das muss jeder für sich herausfinden".

Das vielleicht ambitionierteste Projekt des neuen Jahres trägt den Titel Grindhouse, bestehend aus den beiden jeweils ca. 90 Minuten langen Segmenten "Planet Terror" von Robert Rodriguez und "Death Proof" von Quentin Tarantino. Einmal Zombie-Horror und einmal Road-Movie-Slasher, jeweils im 70er-Stil. Zwischen beiden Segmenten sollen einige Fake-Trailer laufen. Das Ganze soll sich also an den Grindhouses aus den USA orientieren, die vor einigen Jahrzehnten existiert haben. Mittlerweile ist leider bekannt geworden, dass die beiden Segmente bei uns getrennt ins Kino kommen; "Planet Terror" im April und "Death Proof" im August. Allerdings soll man dann zumindest auch im August in den Genuss des Komplett-Paketes kommen können.
Ach ja: Auch mit einem neuen Woody Allen ist in 2007 natürlich wieder zu rechnen.


Während nahezu alle dieser Hoffnungsträger voraussichtlich innerhalb der ersten vier Monate über uns hereinbrechen, steht anschließend die Invasion der Blockbuster an. Nahezu wöchentlich startet im Sommer ein Film, der theoretisch mindestens die 1-Million-Besucher-Marke knacken müsste. Während man die Blockbuster im Jahre 2006 an einer Hand abzählen konnte, reichen die eigenen zehn Finger im Jahre 2007 nicht mal mehr aus.

Auffällig wird hier bereits der Fortsetzungs-Wahn Hollywoods. Lediglich Michael Bays Transformers ist im Grunde so etwas wie eine Neuentwicklung, denn sogar Lissi und der wilde Kaiser sowie Die Simpsons - Der Film beinhalten Charaktere, die sich als alles andere als Neuschöpfungen bezeichnen lassen. Ersteres ist "Bullys" animierte Spielfilmfassung der gleichnamigen Scetch-Reihe aus der "Bullyparade" und Letzteres ist der erste Kinofilm rund um die gelbe Kult-Clique aus Springfield nach gefühlten 50 Staffeln.

Was die Blockbuster-Saison sonst noch bereit hält? Zweite Teile (Sin City 2, Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia), dritte Teile (Spider-Man 3, Pirates of the Caribbean 3, Ocean's Thirteen, Shrek der Dritte, Rush Hour 3, The Bourne Ultimatum), vierte Teile (Live Free or Die Hard (also "Stirb langsam 4")) und fünfte Teile (Harry Potter and the Order of the Phoenix).


Befremdlich? Weitere Fortsetzungen im Laufe des Jahres: Texas Chainsaw Massacre: The Beginning, Saw 3, Die wilden Kerle 4, Rocky Balboa, Hannibal Rising, The Hills Have Eyes 2, Rennschwein Rudi Rüssel 2, Die wilden Hühner und die Liebe, Neues vom Wixxer, Mr. Bean macht Ferien, Goal 2, Hostel 2, Eugen allmächtig (zuvor war Jim Carrey als Bruce der Allmächtige), 28 Weeks Later, Wächter des Tages (Fortsetzung des russischen Fantasy-Hits "Wächter der Nacht"), Alien vs. Predator 2, Day of the Dead, Resident Evil: Extinction.

2007 warten rund 30 Fortsetzungen auf uns - der blanke Wahnsinn. Sylvester Stallone bringt die Ideenarmut perfekt auf den Punkt, indem er die uralten "Rocky"- und "Rambo"-Reihen recycelt.


Mit dieser Kriegserklärung an Originalität und Einfallsreichtum möchte ich diese Vorschau aber nicht enden lassen, deshalb zum Abschluss noch vier Filme, die doch ein wenig Anlass zur Hoffnung geben.

Die Macher der Zombiefilm-Parodie "Shaun of the Dead" warten in diesem Jahr mit einem neuen Streich auf: In Hot Fuzz müssen dieses Mal Actionfilme dran glauben.
Junebug ist ein Independent-Film, der die Geschichte einer amerikanischen Großstädterin erzählt, die ihren Freund zu dessen Familie aufs Land begleitet - eine Tragikomödie, mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet.
Pan's Labyrinth gilt bereits als Hoffnungsträger, der dem Kino die Magie und Phantasie zurückgeben könnte, die es verloren zu haben schien.
Und zu guter letzt sollte auch 300 Erwähnung finden. Schaut euch den Trailer an und ihr wisst, warum.


Trotz des Fortsetzungswahns blicke ich optimistisch in die Kino-Zukunft. Viele weitere ambitionierte und interessante Projekte, die jetzt hier keine Erwähnung gefunden haben, stehen uns bevor. Hoffen wir also auf frische Impulse, darauf, dass uns die Alt-Meister nicht enttäuschen und schließlich auch darauf, dass all die Fortsetzungen zumindest ein wenig frisch daher kommen - sieht man einmal von jenen ab, die als Griff ins Klo schon jetzt zu enttarnen sind.

Das war 2006 ...

Das vergangene Kinojahr... ein kleiner Rückblick.

Beginnen wir mal "ganz unten". Am Schlimmsten gequält wurde ich durch das nervige "Garfield 2", das pseudo-selbstironische "Running Scared" und den Langeweiler "The Dark".

Neben dem ebenso langweiligen "Unbekannter Anrufer" stellte Letzteres glücklicherweise den einzigen wirklichen Ausrutscher dar, der mir 2006 im Horror-Genre vor die Augen gekommen ist. Keineswegs innovative, aber handwerklich überzeugende Ware wie "Hostel", "Wolf Creek", "The Hills Have Eyes" und "Saw 2" bescherten diesem Genre eines der besseren Jahre des neuen Jahrtausends. Selbst "Final Destination 3" geriet nicht so schlimm, wie man eventuell befürchten musste, auch wenn es den beiden besseren Vorgängerteilen nicht das Wasser reichen kann. Verlass war auch auf die Vertreter der Horror-Komödie: "Slither" und "Severance".

Während Horrorfilme immer mehr zur Rarität werden, scheinen sich Animationsfilme als Dauergast in den Kinos zu etablieren. Das letzte Jahr zeigte die volle Bandbreite: Enttäuschungen ("Monster House", "Ice Age 2", "Cars"), gute Kost ("Die Rotkäppchen-Verschwörung", "Ab durch die Hecke") sowie gegen Jahresende den absoluten Animations-Überflieger: "Happy Feet"; eine Art Musical, das zudem all das beinhaltet, was man sich von diesem Genre eigentlich wünschen darf. Besonders erfreulich ist auch die Tatsache, dass es noch einmal zwei von Hand gezeichnete Filme in die Kinos geschafft haben und Beachtung fanden - die Rede ist von "Bambi 2" und "Coco".

2006 war für mich auch so ein wenig das Jahr teils arg überschätzter Filme. Ob "Departed", "München", "Syriana", "Babel" oder "Brokeback Mountain" - diese so genannten Meisterwerk sind für mich bestenfalls gute Unterhaltung. Am Wenigsten lässt sich für mich jedoch der Hype um Ang Lees Homo-Cowboys nachvollziehen - hier scheint in Anbetracht der gewählten Thematik wohl jeder Blick von der eigentlichen Qualität des Streifens abgewendet worden zu sein.

Auch den einen oder anderen Blockbuster hat es natürlich wieder gegeben: "World Trade Center" und "The Da Vinci Code" haben auf passablem Niveau unterhalten - nicht mehr. "Pirates of the Caribbean 2" war zumindest besser als der unglaublich überschätzte erste Teil. Richtig gut hingegen waren "Casino Royale", "Mission: Impossible 3" sowie "X-Men: Der letzte Widerstand". Und selbst "Superman Returns" kam in der Presse viel zu schlecht weg.

Ziemlich schlecht: "Aeon Flux", "Die Super-Ex", "Paparazzi" und "Sky Fighters".

Unterschätzt: "Silent Hill", "Get Rich Or Die Tryin'", "Scary Movie 4" und "Date Movie".

Erwähnenswert: M. Night Shyamalan spaltet mit "Das Mädchen aus dem Wasser" wieder einmal die Meinungen. Mel Gibson lässt den Maya-Untergang in "Apocalypto" zur blutigen Schlachtplatte geraten. Samuel L. Jackson kämpft im kultigen "Snakes on a Plane" gegen... ach, der Titel sagt's doch schon. "Crank" bietet Non-Stop-Action vom Allerfeinsten. "V wie Vendetta" wird zum wohl tiefgründigsten Blockbuster des Jahres. Michael Mann setzt in "Miami Vice" mal wieder style over substance. "Hard Candy" erzählt die Geschichte eines Mädchens, das an einem potentiellen Pädophilen Selbstjustiz übt - enorm intensiv. "Borat" wird zum vielleicht am Heißesten diskutierten Film des Jahres und Deutschland feiert sein "Sommermärchen".

Leider ziemlich unbeachtet: das Comedy-Musical "Kifferwahn", das stimmungsvolle "Ein Freund von mir", das Schüler-Kriminalität-Drama "Knallhart" sowie das genial-komische "Napoleon Dynamite".

Kommen wir abschließend mal noch zu den absoluten Highlights des vergangenen Kinojahres: Mit "Adams Äpfel" und "Emmas Glück" kommen zwei der besten Filme aus Dänemark, beziehungsweise Deutschland. Der erste ist eine schwarze Komödie über einen Neo-Nazi, der von einem Pfarrer wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden soll, und der Zweite erzählt die unglaublich hoffnungsvolle Geschichte einer Liebe vollkommen unterschiedlicher Typen, die jedoch kein Happy End nehmen wird - einer von Beiden hat Krebs. "Lord of War" ist eine brillant-zynische Tragikomödie über den weltweiten Waffenhandel und "Stay" der Geniestreich 2006. Ein wunderbares Mystery-Puzzle, das auch über den Abspann hinaus noch beschäftigt.

Die Silber-Medaille geht an "The Weather Man", ein Drama mit Nicolas Cage, dessen Faszination sich nur schwer erklären lässt. Es ist einer dieser Filme, die man am Besten fühlen muss. Und genau das ist auch die Nummer 1 - "Children of Men", der beste Science-Fiction-Film seit einer halben Ewigkeit. Eine ähnliche Intensität hat man im vergangenen Jahr vergebens gesucht. Grandios: die mehrminütigen Hochspannungs-Sequenzen ohne einen einzigen Schnitt.

Ich habe im vergangenen Jahr 86 Filme gesehen. Davon waren 2 großartig, 5 sehr gut, 20 stark, 30 gut, 18 noch sehenswert, 2 nur sehr bedingt noch sehenswert, 6 schlecht und 3 miserabel. Alles in allem also eigentlich ein ordentlicher Schnitt. Dass sich jedoch nur zwei von 86 Filmen als wirklich großartig bezeichnen lassen, stimmt mich unzufrieden. In dieser Beziehung erhoffe ich mir mehr von 2007.



Top 7
  1. Children of Men
  2. The Weather Man
  3. Stay
  4. Happy Feet
  5. Emmas Glück
  6. Lord of War
  7. Adams Äpfel


Flop 7
  1. Garfield 2
  2. Running Scared
  3. The Dark
  4. Unbekannter Anrufer
  5. Die Super-Ex
  6. Paparazzi
  7. Aeon Flux

Auf ein Neues!

Dieses Blog ist so etwas wie eine Fortführung der Moviepage. Vor allem aufgrund des zu hohen Zeitaufwands habe ich mich nach mehr als zweieinhalb Jahren dafür entschieden, das ganze Unternehmen nun in dieser - natürlich stark abgespeckten - Form fortzuführen.

Über die genauen Inhalte besteht noch nicht absolute Klarheit.