Es sieht ein wenig nach einem Kinojahr der Gegensätze aus. Einerseits scheint die Flut an Pre- und Sequels einen neuen Höchststand zu erreichen und andererseits melden sich große Regisseure aus ihrer teilweise jahrelangen Abstinenz zurück. Mit Letzteren wollen wir auch gleich einmal beginnen.
Filme jener großartigen Regisseure tummeln sich nahezu allesamt im ersten Drittel des neuen Jahres. Den Anfang macht gleich am 4. Januar Christopher Nolan mit
Prestige, der einst mit "Memento" einen zeitlosen Klassiker geschaffen und mit "Batman Begins" den erfolgreichen Sprung nach Hollywood gemeistert hat.
Lady Vengeance heißt der neue Film von Park Chan-wook, mit welchem er zugleich seine Rache-Trilogie beenden wird. Bei uns hat der zweite Teil, "Oldboy", den größten Bekanntheitsgrad erreicht.
Die Legende Clint Eastwood schlägt zu Beginn des Jahres gleich doppelt zu.
Flags of Our Fathers und
Letters From Iwo Jima zeigen eine entscheidende Schlacht im Zweiten Weltkrieg jeweils aus amerikanischer, beziehungsweise japanischer Sicht.
Ziemlich gespalten waren die Meinungen der Kritiker im Bezug auf Darren Aronofskys Liebes-Romanze
The Fountain, die auf drei Zeitebenen spielt. Aronofsky hat mit den beiden Werken "Pi" und "Requiem for a Dream" auf sich aufmerksam gemacht.
Ein echter Genre-Wandler ist Marc Forster: vom Drama ("Monster's Ball", "Wenn Träume fliegen lernen") über den Thriller ("Stay") bis hin zur Komödie:
Schräger als Fiktion erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen gesamtes Leben wiederum Teil einer Geschichte einer Buch-Autorin ist.
Mit Spannung erwartet wird auch
Sunshine, ein Science-Fiction-Film von Danny Boyle, der mit "28 Days Later" vor einigen Jahren nach allgemeiner Auffassung einen der besten Horrorfilme des neuen Jahrtausends geschaffen hat.
Von
Curse of the Golden Flower darf man sich wunderschöne Farbpanoramen und perfekt choreographierte Kämpfe erhoffen, schließlich führt kein Geringerer als Zhang Yimou Regie, auf dessen Konto auch "Hero" und "House of Flying Daggers" gehen. Vermutlich werden auch in seinem neuesten Werk der Physik keine Grenzen gesetzt sein.
Freuen darf man sich sicherlich auch auf
Last Radioshow vom kürzlich verstorbenen Robert Altman.
Ein Mann, der mit "Sieben" und "Fight Club" zwei der besten Filme aller Zeiten abgeliefert hat, bringt endlich wieder Nachschub auf die große Leinwand. Nachdem "Panic Room" zumindest meine Erwartungen nicht einmal ansatzweise erfüllen konnte, ruhen meine Hoffnungen nun umso mehr auf David Finchers
Zodiac, einem Massenmörder-Thriller.
Auch der andere David, nämlich der Lynch, meldet sich zurück.
Inland Empire heißt sein neuester Streich, der Genie und Wahnsinn vermutlich mal wieder zusammenführen wird. Kleiner Vorgeschmack: Die Antwort auf die Frage, wovon dieser Film handle, lautete in etwa so: "Das weiß ich nicht. Das muss jeder für sich herausfinden".
Das vielleicht ambitionierteste Projekt des neuen Jahres trägt den Titel
Grindhouse, bestehend aus den beiden jeweils ca. 90 Minuten langen Segmenten "Planet Terror" von Robert Rodriguez und "Death Proof" von Quentin Tarantino. Einmal Zombie-Horror und einmal Road-Movie-Slasher, jeweils im 70er-Stil. Zwischen beiden Segmenten sollen einige Fake-Trailer laufen. Das Ganze soll sich also an den Grindhouses aus den USA orientieren, die vor einigen Jahrzehnten existiert haben. Mittlerweile ist leider bekannt geworden, dass die beiden Segmente bei uns getrennt ins Kino kommen; "Planet Terror" im April und "Death Proof" im August. Allerdings soll man dann zumindest auch im August in den Genuss des Komplett-Paketes kommen können.
Ach ja: Auch mit einem neuen
Woody Allen ist in 2007 natürlich wieder zu rechnen.
Während nahezu alle dieser Hoffnungsträger voraussichtlich innerhalb der ersten vier Monate über uns hereinbrechen, steht anschließend die Invasion der Blockbuster an. Nahezu wöchentlich startet im Sommer ein Film, der theoretisch mindestens die 1-Million-Besucher-Marke knacken müsste. Während man die Blockbuster im Jahre 2006 an einer Hand abzählen konnte, reichen die eigenen zehn Finger im Jahre 2007 nicht mal mehr aus.
Auffällig wird hier bereits der Fortsetzungs-Wahn Hollywoods. Lediglich Michael Bays
Transformers ist im Grunde so etwas wie eine Neuentwicklung, denn sogar
Lissi und der wilde Kaiser sowie
Die Simpsons - Der Film beinhalten Charaktere, die sich als alles andere als Neuschöpfungen bezeichnen lassen. Ersteres ist "Bullys" animierte Spielfilmfassung der gleichnamigen Scetch-Reihe aus der "Bullyparade" und Letzteres ist der erste Kinofilm rund um die gelbe Kult-Clique aus Springfield nach gefühlten 50 Staffeln.
Was die Blockbuster-Saison sonst noch bereit hält? Zweite Teile (
Sin City 2,
Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia), dritte Teile (
Spider-Man 3,
Pirates of the Caribbean 3,
Ocean's Thirteen,
Shrek der Dritte,
Rush Hour 3,
The Bourne Ultimatum), vierte Teile (
Live Free or Die Hard (also "Stirb langsam 4")) und fünfte Teile (
Harry Potter and the Order of the Phoenix).
Befremdlich? Weitere Fortsetzungen im Laufe des Jahres:
Texas Chainsaw Massacre: The Beginning,
Saw 3,
Die wilden Kerle 4,
Rocky Balboa,
Hannibal Rising,
The Hills Have Eyes 2,
Rennschwein Rudi Rüssel 2,
Die wilden Hühner und die Liebe,
Neues vom Wixxer,
Mr. Bean macht Ferien,
Goal 2,
Hostel 2,
Eugen allmächtig (zuvor war Jim Carrey als Bruce der Allmächtige),
28 Weeks Later,
Wächter des Tages (Fortsetzung des russischen Fantasy-Hits "Wächter der Nacht"),
Alien vs. Predator 2,
Day of the Dead,
Resident Evil: Extinction.
2007 warten rund 30 Fortsetzungen auf uns - der blanke Wahnsinn. Sylvester Stallone bringt die Ideenarmut perfekt auf den Punkt, indem er die uralten "Rocky"- und "Rambo"-Reihen recycelt.
Mit dieser Kriegserklärung an Originalität und Einfallsreichtum möchte ich diese Vorschau aber nicht enden lassen, deshalb zum Abschluss noch vier Filme, die doch ein wenig Anlass zur Hoffnung geben.
Die Macher der Zombiefilm-Parodie "Shaun of the Dead" warten in diesem Jahr mit einem neuen Streich auf: In
Hot Fuzz müssen dieses Mal Actionfilme dran glauben.
Junebug ist ein Independent-Film, der die Geschichte einer amerikanischen Großstädterin erzählt, die ihren Freund zu dessen Familie aufs Land begleitet - eine Tragikomödie, mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet.
Pan's Labyrinth gilt bereits als Hoffnungsträger, der dem Kino die Magie und Phantasie zurückgeben könnte, die es verloren zu haben schien.
Und zu guter letzt sollte auch
300 Erwähnung finden. Schaut euch den
Trailer an und ihr wisst, warum.
Trotz des Fortsetzungswahns blicke ich optimistisch in die Kino-Zukunft. Viele weitere ambitionierte und interessante Projekte, die jetzt hier keine Erwähnung gefunden haben, stehen uns bevor. Hoffen wir also auf frische Impulse, darauf, dass uns die Alt-Meister nicht enttäuschen und schließlich auch darauf, dass all die Fortsetzungen zumindest ein wenig frisch daher kommen - sieht man einmal von jenen ab, die als Griff ins Klo schon jetzt zu enttarnen sind.